55. Tag, 30.08.2013; Von Halali nach Swakopmund/ Namibia

| Keine Kommentare

55. Tag, Freitag, 30.08.2013; Von Halali nach Swakopmund/ Namibia
Temperatur: 4 – 20 °C,
Tagesstrecke: 586 km, Gesamtstrecke: 19.125 km, max. Geschwindigkeit: 112 km/h
BPI: 2,10

„Das erste Mal am Meer“

5.30 Uhr wecken im Camp Halali! Wir wollen den Etoscha Nationalpark Richtung Swakopmund verlassen. Eine Strecke von ~550 km liegt vor uns. Nach einem kleinen Frühstück starten wir 6.30 Uhr auf der Gravelroad des ehemals 80.000 km² großen Nationalparks. Wir steuern noch ein Wasserloch an, um uns von den Zebras, Giraffen und Antilopen zu verabschieden. Dann ein letzter Halt mit Blick auf den riesigen Salztiegel der Ethoschapfanne und schon sind wir draußen aus dem, auf ~23.000 km² geschrumpften, Nationalpark. Kurz vor dem Ausgang führt ein verwirrtes Stachelschwein mitten auf der Straße noch einen Abschiedstanz auf. Das nachtaktive Tier hat anscheinend die Fährte zu seiner Höhle verloren und muß nun mit seinem beschränkten Sehvermögen irgendwo den Tag überstehen, ohne vom Löwen gefressen zu werden. Vor uns besteht keine Gefahr, da wir nur Kilometer fressen müssen.
P1030475
Unser Fahrer Nicolas hat einst wie ‚John Maynard‘ das Steuer fest in der Hand. Wir tanken in dem wie geleckt erscheinenden Örtchen Outjo. Die Sauberkeit der Tankstellentoilette lädt eigentlich mehr zum Essen als zum Urinieren ein. Der Genuss der Bitumenstraße ist schnell vorbei und wir tauchen wieder ein in die Endlosigkeit der Schotterpisten, mit ihrem trommeln der Fahrgestelle und den Kilometerlangen Staubfahnen. Vorbei an Orten (oder eher Siedlungen) wie Kalkfeld, deren Name immer noch seine Bedeutung nicht verloren hat. Bergarbeiterblechhütten und weißer Kalkstein prägen das Ortsbild. Wie eine nicht enden wollende Perlenkette begleiten uns beidseitig der Straße die Weidezäunen der Namibischen Rancher auf den Weg nach Swakobmund. Die einzigen Grenzgänger sind Rudel von Warzenschweinen, auf deren Anwesenheit selbst einige der eher selten anzutreffenden Verkehrsschilder hinweist. Die Größe der Anwesen würde jede EU – Förderrichtlinie übersteigen. Auf die Anwesen deuten nur die Namensschilder hin, da die Gutshäuser ~30 km entfernt im Landesinneren liegen.

Abrupt ändert sich das Bild, wir fahren hinein in die Wüste Namib. Links eine Ölpipline und rechts die Railway, ansonsten nur Sand, Staub und ein paar Steinhügel. Nach einer ermüdenden Ewigkeit deutet die Trübung des bis dahin strahlend blauen Himmels auf die Nähe des Atlantik hin. Und dann waren wir da, in der Puppenstube Namibias, wo einem die negroiden Mitmenschen auf Deutsch nach der Herkunft und dem Befinden fragen. Da wo es im kleinen Lädchen an der Straße Fischbrötchen mit Bismarckhering gibt und für nicht Fischesser halt Leberwurstbrötchen gereicht werden. Bunte  Häuser mit angedeuteten Fachwerkimitaten säumen die im Karree angeordneten Straßen. Bevor wir uns den Annehmlichkeiten des Ortes widmen, müssen wir uns aber erst unser weiteres Fortkommen organisieren.

P1030489

Die als fast nicht lösbar erscheinende Option, einen gleichwertigen 14 Sitzer Bus, wie der von Nicolas, für die letzte Etappe bis nach Cape Town zu mieten, klappt wie durch ein Wunder schon beim zweiten Anlauf. Nachdem uns ‚Hertz‘ nur wie erwartet,  „Corolla’s“ vermieten wollte, betreten wir ein örtliches Reisebüro wo uns eine nette Dame reiferen Alters in perfekten Hochdeutsch erklärt, dass sie gerade genau so einem Bus an eine chinesische Reisegruppe vermietet hätte. Die endgültige Zusage soll 15°° Uhr erfolgen. Es ist 14.50 Uhr und auf das chinesischer Geschäftsgebaren ist Verlass! 15.01 Uhr haben wir in deutscher Pünktlichkeit den Bus mit Hänger. Die genannten Brötchen verspeist, Zelt „Rudi“ auf dem erstklassigen Camp Site aufgebaut schreiten wir zum Strand des Atlantiks. Er ist riesig und empfängt uns mit einer beeindruckenden Brandung. Drei Kameraden und meine Wenigkeit springen in die 13°C warmen Fluten und unser Fahrer Nicolas tanzt wie einst das Stachelschwein, jedoch aus purer Freude, am Strand. Er ist zum ersten Male in seinem Leben am Meer. Ein strahlendes, kindliches Lächeln schmückt sein Gesicht. Der Anblick diese Glücks ist rührend und läßt uns, wie so oft auf unseren Reisen, innehalten. Da ist es wieder da, dass Gefühl, wie leichtfertig und vergesslich wir so oft in unserem Leben mit unserem Glück umgehen, auf der Sonnenseite der Länder dieser Welt geboren zu sein! So sensibilisiert genießen (‚…‘) wir den Sonnenuntergang und die Austern in der Strandbar.  Zum Abendessen gehen wir mit Niclas in Kücki’s Pub. Hier serviert uns der Inhaber Walter das erste Weißbier seit Haifa/ Israel und für Niclas ist es das erste in seinem Leben. Seine Augen werden dabei immer strahlender.
P1030504
Anschließend runden wir diesen erlebnisreichen Tag für ihn noch mit einer Grillhaxe auf Sauerkraut mit Kartoffelstampf ab. Das Euro Supercupfinale zwischen dem FC Bayern und Chelsea läuft im Hintergrund und endet nach Verlängerung und Elfmeterschießen passend zum Abend: Sieg für die Deutschen.

Die „Fünf“

Print Friendly

Hinterlasse eine Antwort